"Gaslighting"

Richard Petersen • 14. Juni 2024

Von Tätern und Opfern

"Gaslighting" ist eine Form der psychischen Gewalt – oft in einer Beziehung. Betroffene werden dabei gezielt durch Lügen, Leugnen und Einschüchtern verunsichert, bis sie an ihrem Selbstwert oder Wahrnehmung zweifeln. Ziel der Gehirnwäsche ist, die Opfer zu brechen und in eine seelische Abhängigkeit zu zwingen.


Die wissenschaftliche Bezeichnung für Gaslighting ist „invalidierende Kommunikation“. Bedeutet: Durch Lügen oder Einschüchterung werden eigene Gefühle, Gedanken und Wahrnehmungen „entwertet“ (invalidiert) und als "verrückt" oder falsch umgedeutet. Für die Opfer ist eine solche Beziehung eine enorme psychische Belastung.


Der Begriff Gaslighting geht auf das 1938 uraufgeführte Theaterstück „Gas Light“ von Patrick Hamilton zurück. Darin versucht ein Ehemann, seine Frau systematisch in den Wahnsinn zu treiben, um an ihr Erbe zu kommen.

Später wurde das Stück als gleichnamige Verfilmung (deutscher Titel „Das Haus der Lady Alquist) mit Ingrid Bergmann weltberühmt.

Mit ihrem Buch „The Gaslight Effect“ (2007) brachte die Psychoanalytikerin Dr. Robin Stern den Begriff ins öffentliche Bewusstsein.


Voraussetzung für "Gaslighting" ist immer ein Vertrauensverhältnis zwischen Täter und Opfer – wie zum Beispiel in einer Beziehung. Wegen dieses Vertrauens aber zweifelt das Opfer nicht an dem Manipulationsversuch, sondern an sich selbst, sodass das Selbstvertrauen nachhaltig zerstört wird.


Von "Gaslighting" betroffen sind meist Frauen. Empirische Studien dazu fehlen jedoch. Es wird aber vermutet, dass dies auf klassischen Rollenmustern basiert, bei denen Männer die dominante Rolle einnehmen – oder das per Gaslighting versuchen.


Auffällig oft finden sich unter den Opfern von Gaslighting Menschen, die schon in ihrer Kindheit manipuliert wurden. Sie haben Beziehungen nur als (emotionale) Abhängigkeit erlebt und tun sich schwer, sich aus diesen Verhaltensmustern oder von ihren Tätern zu lösen.


Gaslighting läuft häufig nach einem Muster ab. Die Opfer benötigen eine gewisse Zeit, um diese Muster und die Manipulation zu erkennen. Schließlich ist es zunächst nichts Ungewöhnliches, dass jemand die eigene Meinung, Bewertung oder Wahrnehmung hinterfragt.

Manche Verhaltensweisen sind typische Gaslighting-Anzeichen. Sie geben Hinweise darauf, dass eine Person gezielt versucht, eine andere zu verunsichern, wie z. B.


Gefühle absprechen oder umdeuten: „Du bist hysterisch/überempfindlich. Du verstehst das ganz falsch. Hattest du mal wieder einen schlechten Tag?“


Lügen und leugnen: „Das habe ich nie gesagt. Warum erfindest du so etwas?“


Vergangene Ereignisse bestreiten: „Er/Sie ist nie hier gewesen. Das bildest du dir ein.“


Abwerten: „Das kannst du doch nicht. Du bekommst gar nichts allein hin.“


Soziale Isolierung: „Deine Freunde sind nicht gut für dich. Sie benutzen dich nur.“


Hinzu kann das Manipulieren von Gegenständen kommen. Das Auto steht zum Beispiel plötzlich woanders, Dokumente, Gegenstände oder Nachrichten verschwinden.


Gaslighting ist so systematisch wie Gehirnwäsche. Die amerikanische Psychologin Stephanie Sarkis hat daher 3 typische Stufen des Gaslighting definiert, an denen du schon im Frühstadium Gaslighting erkennen kannst:


1. Schuldfrage

Egal, worum es geht – die Schuldfrage ist schon geklärt: Du bist immer der/die Schuldige! Dazu prasselt ein Trommelfeuer aus Behauptungen, Unterstellungen und angeblichen Beweisen auf dich nieder, bis du es endlich selbst glaubst.


2. Zweifel

Damit Gaslighting wirkt, passiert es über einen längeren Zeitraum. Der Täter verbreitet dazu immer wieder Lügen, Intrigen, Unwahrheiten. Das Opfer wird immer wieder verunsichert – durch gestreute Zweifel, Denunzierungen, Falschaussagen – bis es schließlich das Gefühl für die Realität verliert. Dass es so weit kommen kann, liegt auch daran, dass die Betroffenen dem Täter eine größere Kompetenz zuschreiben als sich selbst. Das Prinzip ist dasselbe wie bei einem Frosch, der langsam im kalten Wasser erwärmt wird: Er bemerkt nichts von der drohenden Gefahr, bis das Wasser kocht und es zu spät ist.


3. Isolation

Anfangs versuchen sich die Opfer noch zu wehren, sich zu rechtfertigen und den Täter davon zu überzeugen, dass sie richtig liegen. Dabei werden sie jedoch immer weiter irregeführt, verunsichert und schließlich auch von jenen Menschen isoliert, die ihnen Recht geben könnten. So landen sie schließlich unter absoluter Kontrolle der Tätern, resignieren und fügen sich widerstandslos.


Gaslighting ist kein Kavaliersdelikt. Tatsächlich handelt es sich dabei um einen besonders schweren emotionalen und seelischen Missbrauch. Im Extrem kann die Manipulation zu systematischer Zerstörung der Wahrnehmung, des Selbstvertrauens und in den „Wahnsinn“ führen. Die Betroffenen leiden oft noch Jahre danach unter starken Selbstzweifeln und psychischen Störungen. Auch psychosomatische Begleiterkrankungen können auftreten.

Nach solchen Erfahrungen brauchen die Gaslighting-Opfer meistens eine psychologische Therapie, um die Erfahrungen zu verarbeiten und wieder stabilisiert zu werden.


Wer Gaslighting strafrechtlich verfolgen möchte, sollte sich zum Beispiel an den Weißen Ring wenden und professionelle Unterstützung suchen, bevor er oder sie Strafanzeige stellt.


Anlaufstellen: Hilfe bei Gaslighting

Dazu gehören zum Beispiel:


Die Telefonseelsorge hilft per Telefon (0800 111 0 111) wie per Chat.


Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist sieben Tage die Woche unter 08000 116 016 erreichbar.


Das Hilfetelefon „Gewalt an Männern“ ist werktags zu festen Sprechzeiten unter 0800 1239 900 erreichbar.


Für Kinder gibt es die „Nummer gegen Kummer“, erreichbar unter 116 111.


krisenchat.de Das ehrenamtliche, kostenlose Hilfsangebot richtet sich an Kinder und junge Erwachsene in Not – 24 Stunden am Tag.


Der beste Schutz vor Gaslighting ist ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein.

Für den Aufbau eines gesunden Selbstwertes und eines starken Selbstvertrauens ist eine Hypnosetherapie eine äußerst wirksame und dabei sehr sanfte Methode.

Quelle: Karriere Bibel, AOK.de


In diesem Sinne, vielen Dank fürs Lesen und viele Grüße,

Richard


P. S. Wegen der besseren Lesbarkeit habe ich die maskuline Schreibweise verwendet. Angesprochen sind selbstverständlich immer alle Geschlechter.

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