Hypnose für Kinder und Jugendliche

Richard Petersen • 14. Juli 2023

Auf die sanfte Tour

Eltern lieben ihre Kinder. Sie wollen, dass sie glücklich sind, dass es ihnen einmal besser geht. Dafür tun Eltern alles.

Das „Problem“ dabei ist, dass all diese guten Absichten auf den Vorstellungen der Eltern beruhen: Ihren Vorstellungen von Glück, ihren Vorstellungen von Erfolg.

Sie möchten, dass ihr Kind sich höflich und aufmerksam verhält, gut in der Schule ist, adäquaten Freizeitbeschäftigungen nachgeht. Sie wollen, dass es beliebt ist, einen gesunden Ehrgeiz entwickelt. Sie beschützen ihre Kinder, wo sie nur können.

Sie greifen in ihr Leben ein!

Sie tun all das aus Liebe zu ihren Kindern. Und aus Angst, dass ihre Kinder in dieser globalisierten Leistungsgesellschaft nicht mithalten können. Nur bewahrheitet sich immer wieder die alte Weisheit: „Gut gemeint ist nicht, gut gemacht.“


Es ist nicht leicht, heute ein Kind auf seinem Weg zu begleiten. Eltern stehen mehr denn je unter Druck. Und Kinder somit ebenfalls. Hinzu kommen konstante Reizüberflutung, hohe Erwartungen und verschiedene Konflikte im Umfeld, die Kindern zu schaffen machen.

Und immer häufiger reagieren Kinder auf den zunehmenden Druck mit körperlichen oder psychischen Symptomen, denn ihre Schutzfunktionen sind noch nicht ausgeprägt.

Kinder berichten von wiederkehrenden Bauch- oder Kopfschmerzen. Viele Kinder zeigen diffuse Ängste, ziehen sich zurück, manchmal entwickeln sie eine Enuresis oder gar Mutismus . Die Beschwerden sind sehr individuell.


Es gibt gute Gründe für eine hypnotherapeutische Unterstützung bei Kindern und Jugendlichen.


Kinder und Jugendliche sprechen auf Hypnose sehr gut an, weil in diesem Alter das Vorstellungsvermögen und die Fantasie noch sehr stark ausgeprägt sind. Dadurch erweist sich Hypnose bei Kindern als besonders geeignet und effektiv. Kinder stecken voller kreativer Ideen und können besonders gut ihre Probleme in einer vorgestellten Fantasiewelt lösen. Es fällt ihnen leicht ihre Ängste, in verschiedenen (selbst entwickelten) Symbolen anzutreffen und sich mit ihnen zu verbünden, sie zu verändern oder mit Unterstützung innerer Helferfiguren zu besiegen.

Das Kind selbst leistet diese Arbeit und wird Zeuge seines eigenen Erfolges. Das fördert die Selbstwirksamkeit auf eine wunderbare Art und Weise.

Mit spannenden Geschichten, Visualisierungen und fantasievollen Rollenspielen werden die Themen der Kinder und Jugendlichen altersgerecht gemeinsam aufgearbeitet und in ihrer abenteuerlichen Reise in ihr eigenes Unterbewusstsein begleitet. Und so, wie sich nach und nach die innere Welt verwandelt, können sich auch kleinere und größere Veränderungen in der äußeren Welt einstellen. Dies erhöht das Selbstvertrauen und die innere Stärke von Kindern, um auch die zukünftigen Herausforderungen im Leben besser zu meistern.

Eine wichtige Voraussetzung ist, dass das Kind einen Veränderungswunsch haben muss, nicht die Eltern.

Vertrauen spielt vor allem bei der Arbeit mit Kindern eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund ist das Vorgespräch sehr wichtig und selbstverständlich unverbindlich. Das Kind soll selbst entscheiden, ob es in die Hypnose gehen möchte oder nicht.


Bevor eine Hypnosetherapie beginnt, erfolgt eine sorgfältige Diagnose durch den Kinderarzt, ggf. einen Kinder- und Jugendpsychiater. Ziel ist es, genau zu benennen, um welche Störungsform es sich handelt. So lässt sich die Behandlung passgenau auf das Krankheitsbild zuschneiden. Das ist wichtig für den Erfolg der späteren Therapie.


Besonderheiten der Hypnose bei Kindern und Jugendlichen


Auch bei Kindern und Jugendlichen werden durch die Hypnose die Selbsthilfepotenziale angesprochen und aktiviert. Das Einleiten der Hypnose (Induktion) kann bei jüngeren Personen in ein Spiel oder eine Erzählung eingeflochten werden. Somit besteht die Möglichkeit, die Behandlung in eine Aktion einzubetten. Da Kinder durch ihre Suggestibilität meist unkompliziert in Hypnose versetzt werden können, ist ein hohes Maß an Aufmerksamkeit durch die behandelnde Person wichtig, um sanft und zugleich gezielt vorgehen zu können.

Anders als bei Erwachsenen ist es meist sinnvoll, die Trancezustände vorwiegend als begleitende Therapiemethode einzusetzen. Für Kinder ist eine einmalige Hypnose weniger angezeigt. Während der Hypnose, die auf Kinder meist wie eine Tagträumerei oder Phantasiereise wirkt, können die jungen Klientinnen und Klienten z. B. ein Symbol finden und im Unterbewusstsein verankern, das ihnen im Wachbewusstsein weiterhelfen kann. Es hilft, sich an den angenehmen Entspannungszustand zu erinnern und diesen gut wieder erreichen zu können.


Die Pubertät mit ihren ganz besonderen Herausforderungen

 

Die Loslösung vom Elternhaus bedeutet für die Heranwachsenden sich eigene, neue Freiräume innerhalb der Familie zu erkämpfen. Sie müssen sich auf sich selbst konzentrieren, sollen und wollen immer mehr Eigenverantwortung übernehmen, müssen rebellieren und sich abnabeln, wollen ausprobieren, was das Leben so bietet und Erfahrungen sammeln.

Statistiken zeigen psychische Auffälligkeiten bei jedem 3. Kind oder Jugendlichen in dieser Zeit.

Die noch geringe Lebenserfahrung führt leicht zur Über- oder Unterschätzung der eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Unsicherheit und Sprunghaftigkeit machen sich schnell breit. Man fühlt sich oft hin- und hergerissen. Diese Plötzlichkeit stürzen die jungen Menschen in Unruhe, Verunsicherung und oftmals auch in Ängste und Selbstzweifel.

Von den Eltern wird viel Verständnis, Toleranz und Vertrauen verlangt. Das richtige Maß finden zwischen Loslassen und Hilfestellung geben, sich aber nicht ständig einzumischen, führt schnell zur Überforderung.

Die Jugendlichen brauchen ihre Eltern ganz besonders in dieser Phase, auch wenn sie noch so cool und erwachsen wirken.

Themen wie Druck der Leistungsgesellschaft, Mobbing und Ausschluss aus einer Gruppe spielen vielleicht eine Rolle und lösen Minderwertigkeitsgefühle aus. Die Entwicklung der sexuellen Identität und der sexuellen Präferenz löst möglicherweise innere Konflikte aus. Oder auch Konflikte mit der Umwelt der Jugendlichen. Erste Liebe und erster Liebeskummer bringen alles durcheinander. Selbstzweifel machen sich breit. Manchmal löst tiefe Verzweiflung und Überforderung Essstörungen oder selbstverletzendes Verhalten aus. Migrationshintergrund und mangelnde Sprachkenntnisse bergen zusätzliche Sorgen.


Anwendungsbereiche einer Hypnosetherapie


Hypnose ist deshalb so erfolgreich, weil Kinder und Jugendliche ein natürliches Verlangen nach neuen Erfahrungen und Ideen haben. Sie lieben es, Sachen zu entdecken, sind offen für Neues und haben weit weniger Prägungen und Lebenserfahrung als Erwachsene. Ihre Persönlichkeit ist gerade erst in der Entwicklung.

Unter anderem bei folgenden Themen zeigt die Anwendung von Hypnose gute Resultate:

  • geringes Selbstwertgefühl
  • Phobien
  • Lernschwierigkeiten
  • Ängste
  • Zurückgezogenheit
  • Aggressivität
  • Bettnässen
  • Alpträume
  • Sozialkompetenz
  • Mobbing
  • Nervöse Ticks
  • Nägel kauen


Was bei der Entscheidung für eine Therapie mit Hypnose zu beachten ist:


Die Hypnose sollte nicht mit Druck belegt werden, weil vielleicht eine bestimmte Wirkung oder "Heilung" erwartet wird. Gefährlich sind hierbei besonders Heilversprechen, die von Eltern hoffnungsvoll aufgegriffen werden.

Die Idee, dass Hypnose nur „gut genug“ oder „richtig“ gemacht werden muss, damit ein gewünschtes Ziel erreicht wird, ist falsch!

Heilversprechen sind grundsätzlich als unseriös anzusehen!

Sehr wichtig ist bei der Suche nach einem Hypnosetherapeuten, dass Fragen gestellt werden dürfen, Unsicherheiten sollten ebenso besprochen werden können, ein Vertrauensverhältnis sollte entstehen und ein gutes Gesamtgefühl vorherrschen.


Die Verbindung von Hypnose bei Kindern/Jugendlichen und dem Familiensystem

Bei hypnosystemischen Therapieansätzen wird das gesamte Familiensystem betrachtet und die Therapie entsprechend abgestimmt. Kinder sind oftmals die Symptomtragenden des gesamten Systems (Familie) – ebenso beeinflusst die Erkrankung eines Kindes oder Jugendliche wiederum die gesamte Familie. Häufig ist es also ratsam, alle Familienmitglieder im Blick haben zu können, um adäquate Lösungen zu finden.

Das Kind erfährt durch die Behandlung oftmals Veränderungen, die wiederum in das System eingebettet werden können.


Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass eine hypnotherapeutische Begleitung in Krisenzeiten auch für Kinder und Jugendliche eine wertvolle und bereichernde Erfahrung darstellt. Und das auf eine sanfte, manchmal sogar spielerische Art.


Besondere Herausforderungen erfordern besondere Lösungswege.


Vielen Dank fürs Lesen und viele Grüße

Richard


P. S. Die maskuline Schreibweise dient ausschließlich der besseren Lesbarkeit. Angesprochen sind selbstverständlich immer alle Geschlechter.

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