Warum ich keine Gruppenhypnose anbiete

Richard Petersen • 9. Oktober 2026

Warum Rauchentwöhnung und Abnehmen nicht im Gleichschritt funktionieren

Samstagabend, Konferenzraum eines Hotels irgendwo an der Autobahn. Vierzig Stühle in Reihen, vorne ein Flipchart, hinten ein Tisch mit Kaffee und Wasser. Die Teilnehmer haben 99 Euro bezahlt und sich auf dem Parkplatz noch schnell eine letzte Zigarette gegönnt. Man kann es ihnen nicht verdenken. Auf dem Plakat stand „Rauchfrei in nur einer Sitzung“. Dann wird das Licht gedimmt, leise Musik setzt ein, und eine ruhige Stimme spricht für alle vierzig denselben Text.

Ich werde öfter gefragt, ob ich so etwas auch anbiete. Die Antwort ist nein. Weder für die Rauchentwöhnung noch für die Gewichtsreduktion. Das liegt nicht daran, dass ich Gruppen nicht mag. Es ist auch kein Urteil über Kollegen, die so arbeiten. Jeder muss selbst wissen, wie er seine Arbeit verantwortet. Es liegt daran, was in einer Hypnose eigentlich passiert.

Den Durchschnittsraucher gibt es nicht

Bevor ich mit jemandem auch nur eine Minute in Trance arbeite, sitzen wir zusammen und reden. Über die erste Zigarette am Morgen. Über die eine, auf die man am wenigsten verzichten könnte. Über den Moment, in dem man sich dabei ertappt, schon wieder eine angezündet zu haben, ohne es zu merken.

Dabei kommt jedes Mal etwas anderes heraus. Die Pflegekraft raucht, weil die Raucherpause die einzigen fünf Minuten im Dienst sind, in denen niemand etwas von ihr will. Der Handwerker raucht seit seinem fünfzehnten Lebensjahr, und die Zigarette gehört zum Feierabend wie das Abschließen der Werkstatt. Die Studentin raucht eigentlich gar nicht. Außer auf Partys. Und beim Lernen. Und wenn sie Ärger mit ihrem Freund hat.

Drei Menschen mit völlig verschiedenen Gründen. Ein Hypnosetext für alle zielt auf einen Durchschnittsraucher, den es nicht gibt. Bei der Pflegekraft geht es um Erholung und um Grenzen, beim Handwerker um ein Ritual, das einen neuen Platz braucht. Bei der Studentin geht es um Stress. Eine Suggestion, die beim einen genau trifft, rauscht am anderen vorbei.

Trance ist kein Gleichschritt

Dazu kommt etwas, das man in einem Hotelsaal schlicht nicht sehen kann. Menschen gehen unterschiedlich schnell und unterschiedlich tief in Trance. Manche sind nach drei Minuten weit weg. Andere brauchen eine Viertelstunde und ein paar Umwege, weil ihr Kopf erst noch prüfen will, ob das hier gerade seriös ist.

In der Einzelsitzung achte ich auf die Atmung, auf das Flattern der Augenlider, auf die Schultern, die langsam sinken. Ich passe das Tempo an. Wenn jemand plötzlich unruhig wird, merke ich es und kann darauf eingehen. Vor vierzig Leuten geht das nicht. Da läuft die Stimme im Tempo für die Mitte des Raums. Für die Schnellen ist es zu lang, für die Langsamen zu kurz, und irgendwo in der dritten Reihe hustet jemand, oder ein Smartphone summt, obwohl darum gebeten wurde, die Geräte für die Zeit auszumachen.

Was man vor vierzig Fremden nicht erzählt

Rauchen und Essen sind persönliche Themen. Oft persönlicher, als man selbst zugeben möchte. Da ist die Frau, die heimlich raucht, weil ihr Mann glaubt, sie hätte vor Jahren aufgehört. Da ist der Mann, der abends vor dem offenen Kühlschrank steht, obwohl er gar keinen Hunger hat, und nicht weiß, warum.

Genau diese Geschichten sind der Schlüssel. Sie gehören in ein ruhiges Gespräch zu zweit und nicht in eine Vorstellungsrunde mit Namensschild.

Beim Abnehmen gilt das doppelt

Beim Rauchen gibt es wenigstens ein klares Ziel. Keine Zigarette mehr. Beim Essen funktioniert das nicht, denn essen muss jeder. Die eigentliche Frage ist, warum jemand mehr isst, als ihm guttut. Aus Frust, aus Langeweile, als Belohnung nach einem langen Tag, oder weil man als Kind gelernt hat, dass der Teller leer gegessen wird.

Eine Gruppensitzung mit der Suggestion „Sie haben weniger Appetit“ geht an all dem vorbei. Und es gibt Menschen, für die eine Hypnose zum Abnehmen gerade nicht das Richtige ist, weil hinter ihrem Essverhalten etwas steckt, das ärztlich oder psychotherapeutisch begleitet werden sollte. Das muss man im Vorgespräch erkennen. In der Gruppe fällt es niemandem auf.

Eine kleine Rechnung

Rechnen wir einmal nüchtern. Vierzig Teilnehmer zu je 99 Euro ergeben knapp 4.000 Euro für einen Abend. Das ist ein gutes Geschäft, und ich unterstelle niemandem, dass er es unehrlich betreibt. Aber das Modell lebt von der Menge. Ein ausführliches Vorgespräch ist darin genauso wenig vorgesehen wie ein Anruf nach zehn Tagen, wenn man beim ersten Bier mit Freunden schwach zu werden droht.

Und wenn jemand mit einer Erfolgsquote von 80 oder sogar 90 Prozent wirbt, lohnt sich eine einfache Frage. Wer hat das gemessen, über welchen Zeitraum und bei wem? Die Studienlage zur Hypnose beim Rauchstopp ist gemischt. Es gibt gute Ergebnisse, aber keine Garantie. Wer Ihnen eine verspricht, verkauft Ihnen ein Gefühl und keine Therapie.

Und warum nicht wenigstens online?

Auch das werde ich gefragt. Technisch geht es, und manche Kollegen machen gute Erfahrungen damit. Ich arbeite trotzdem lieber im selben Raum. Ich sehe mehr, wenn ich dir gegenübersitze, als durch eine Laptopkamera. Und in meiner Praxis klingelt kein Paketbote, kein Handy summt auf dem Tisch, und keine Katze läuft über die Tastatur, während du gerade tief in Trance bist. Der Weg nach Reinbek ist manchmal schon der erste Schritt raus aus dem Alltag.

Was das für dich bedeutet

Bei mir gibt es kein „rauchfrei in einer Stunde“ zum Pauschalpreis. Es gibt ein ausführliches Vorgespräch, Hypnosen, die auf deine Gründe zugeschnitten sind, und Begleitung danach, falls es wackelt. Das ist aufwendiger und kostet mehr als ein Abend im Hotelsaal.

Ich nehme auch nicht jeden Klienten an. Wenn ich im Vorgespräch merke, dass jemand gar nicht aufhören will, sondern nur aufhören soll, weil der Arzt, die Partnerin oder die Kinder es verlangen, sage ich das offen. Dein Erfolg und meine Reputation sind mir wichtiger als das schnelle Geld.

Hypnose kann einen Entschluss stärken. Ersetzen kann sie ihn nicht.

Wenn du es aber wirklich willst und es diesmal richtig angehen möchtest, melde dich für gerne ganz unverbindlich. Ich freue mich auf dich.


In diesem Sinne, vielen Dank fürs Lesen und viele Grüße,

Richard


P. S. Die maskuline Schreibweise dient ausschließlich der besseren Lesbarkeit. Angesprochen sind selbstverständlich immer alle Geschlechter.

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